1. Was sind Ihre politischen Schwerpunkte?

 

Seit Mitte 2010 bin ich haushaltspolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion. Bei der Vergabe von Steuergeldern setze ich mich ganz besonders für die Zukunftschancen von Menschen ein. Das heißt mehr Mittel für Bildung. Alle Investitionen müssen nachhaltig und ökologisch sinnvoll sein. Und deshalb brauchen wir Investitionen für zukunftstaugliche Energie- und Verkehrsnetze. Die Themen Gerechtigkeit und Chancengleichheit in unserer Gesellschaft sind für mich besonders wichtig - eine echte Herzensangelegenheit. Seit Beginn meiner politischen Tätigkeit engagiere ich mich mit Nachdruck für eine tatsächliche Gleichberechtigung und für eine bessere Integration ausländischer Bürgerinnen und Bürger. Ganz oben auf der Liste meiner politischen Ziele steht die Inklusion von Menschen mit Behinderung und damit einhergehend die Umsetzung der UN-Konvention. Und als jugendpolitische Sprecherin mache ich mich für die Belange von Kindern und Jugendlichen stark. Gerade, wenn es um die Zukunft Bayerns geht, ist es nahezu unerlässlich auf ihre Stimmen zu hören. In der letzten Legislaturperiode konnte ich als Mitglied der Kinderkommission genau das bereits tun. Es war eine tolle Erfahrung, interfraktionell Projekte anzustoßen und voran zu bringen.

 

2. Wie schaffen Sie es, Familie und Beruf erfolgreich zu managen?

 

Ich habe relativ früh nach der Geburt meiner Kinder wieder angefangen zu arbeiten als Nachrichtenredakteurin bei

B 5aktuell. Wir haben uns als Familie also schnell darauf eingestellt, dass das Berufsleben für uns alle dazugehört. Als Landtagsabgeordnete ist meine Arbeitswoche natürlich sehr voll. Mein Mann „übernimmt“ viel, was bei den zahlreichen politischen Abend- und Wochenendterminen sehr wichtig ist. Mir persönlich hilft, dass ich keine „Gluckenmutter“ bin und wir es über die Jahre geschafft haben, unseren straffen Zeitplan so zu stricken, dass wir Raum füreinander haben und ganz besonders in den Ferien Zeit bewusst miteinander verbringen.

 

3. Ihre Mutter, Frau Barbara Stamm, ist ja Mitglied der CSU-Fraktion und Landtagspräsidentin. Hatte sie Einfluss auf Ihr politisches Interesse?

 

Wenn man mit politisch interessierten und engagierten Eltern aufwächst, beeinflusst das natürlich das eigene Denken und Handeln. Jedenfalls bin ich durch eine gute Schule gegangen, was bürgerliches Engagement, politisches Bewusstsein und Verantwortung übernehmen angeht. Kontroverse Themen diskutieren am Küchentisch – das kenne ich seit meiner Kinderzeit, wobei ich natürlich nicht immer einer Meinung mit meiner Mutter war und vor allem als Jugendliche oft genug und heftig widersprochen habe. Das schult im Diskutieren, im Finden von Argumenten und im Verteidigen eigener Standpunkte! Also rückblickend gesehen, würde ich sagen, dass unsere Küchentisch-Auseinandersetzungen sehr wohl eine gute Vorbereitung für meine spätere berufliche Zukunft waren. Das sehen meine Mutter und ich natürlich mit einem gemeinsamen Augenzwinkern.

 

4. Sind politische Themen Gesprächsstoff bei gemeinsamen Unternehmungen?

 

Natürlich ist das manchmal der Fall, obwohl in der Regel bei unseren Treffen eindeutig die Familie im Vordergrund steht. Selbstverständlich haben wir – das ist schon unserer unterschiedlichen Parteizugehörigkeit zuzuschreiben – zu vielen Themen eine abweichende Meinung. Immer öfter, wie etwa bei der Energiepolitik oder bei Fragen der Gleichberechtigung von Mann und Frau, da nähert sich meine Mutter meiner Position an (das bitte mit einem Augenzwinkern lesen!).

 

5. Was tun Sie für sich, um Ihre anspruchsvollen politischen Aufgaben meistern zu können?

 

In meinem Beruf muss ich glücklicherweise nicht trennen zwischen dem, was meine Interessen sind und dem, was mir Spaß macht. Das ist natürlich ein großes Privileg. Landtagsabgeordnete zu sein, ist ein toller, spannender und verantwortungsvoller Beruf, den ich sehr gerne ausübe – mit Herzblut! Das Herzblut hilft sehr, wenn es darum geht, Zeit aufzubringen und Termine zu bewältigen. Die Stunden mit meiner Familie sind für mich die größte Belohnung und der schönste Ausgleich. Und manchmal ist dann auch ein bisschen Bergwandern und Natur drin, wenn ich mir als Grüne Projekte vor Ort anschaue. Ansonsten versuche ich, meinen Terminkalender ab und zu so zu gestalten, dass Luft drinnen ist, zu einem Treffen mal zu radeln, statt die Öffentlichen zu benutzen oder ein Gespräch in der Mittagssonne stattfinden zu lassen, statt in einem dunklen Konferenzzimmer.